Pakete in die Schweiz versenden: Der komplette Leitfaden für Unternehmen

1. Warum ist die Schweiz beim Paketversand ein Sonderfall?

Definition

Die Schweiz ist kein Mitglied der Europäischen Union und auch nicht Teil des EU-Zollgebiets. Das bedeutet: Jede Sendung über die Grenze gilt als Export – mit allen zollrechtlichen Konsequenzen. Für Unternehmen heißt das: Zollanmeldung, korrekte Dokumente und die Einhaltung von Wertgrenzen.

Im Unterschied zu Ländern wie Österreich oder Frankreich gibt es beim Verschicken in die Schweiz für Geschäftskunden keine vereinfachte EU-interne Abfertigung. Jedes Paket wird von der Schweizer Zollbehörde (Oberzolldirektion) geprüft. Was korrekt deklariert und dokumentiert ist, läuft in der Regel reibungslos. Was fehlt, landet im Zolllager.

2. Welche Zolldokumente brauche ich für den Schweiz Versand?

Das hängt von der Art der Sendung ab. Grundsätzlich gilt für gewerbliche Sendungen:

DokumentWann notwendig?Hinweis
Handelsrechnung (Commercial Invoice)Immer bei Warensendungen mit Handelswert3-fach ausfertigen, in/außen am Paket
Proforma-RechnungBei Mustern, Reparaturgütern, Schenkungen ohne HandelswertEnthält Warenwert für Zollzwecke
EORI-NummerBei regelmäßigem gewerblichem ExportKostenlos beim Hauptzollamt beantragen
HS-Code (Zolltarifnummer)Immer – für jede Warenart8-stellig für EU-Export, 10-stellig für Import
Ausfuhranmeldung (EAD)Bei Warenwert über 1.000 EUR oder Gewicht über 1.000 kgElektronisch über ATLAS (Zoll.de)

Tipp: Eine Proforma-Rechnung ist kein Ersatz für eine Handelsrechnung – sie wird nur dann verwendet, wenn kein kommerzieller Kauf stattfindet. Mehr dazu in unserem Artikel zur Proforma-Rechnung.

WarenKommerzielle Sendung
  • Handelsrechnung (Commercial Invoice)
  • Packliste (Packing List)
  • Ausfuhranmeldung (EX-1)
  • Ursprungszeugnis
  • Frachtbrief (AWB / CMR)
  • Konformitätserklärung (je nach Ware)
  • Lieferschein
MusterWarenmuster / Sample
  • Pro-forma-Rechnung
  • Packliste
  • Muster-Deklaration (ohne Handelswert)
  • Ausfuhranmeldung (bei Wert > 1.000 €)
  • Frachtbrief
  • Vermerk „Kein Verkaufswert – Muster“
ReparaturRücksendung zur Instandsetzung
  • Lieferschein / Begleitschein
  • Reparaturauftrag / RMA-Formular
  • Pro-forma-Rechnung (Reparaturwert)
  • Ausfuhranmeldung (Verfahren 2200)
  • Frachtbrief
  • Ursprüngliche Einfuhrdokumente (bei Reimport)

3. Ablauf: So läuft der Versand in die Schweiz Schritt für Schritt ab

Ein reibungsloser Schweiz-Versand folgt einem klar strukturierten Prozess. Wenn alle Dokumente korrekt sind, dauert die Zollabfertigung in der Regel nur wenige Stunden:

  1. Sendung vorbereiten: Ware verpacken, Gewicht und Maße messen, Warenwert festlegen.
  2. Dokumente erstellen: Handelsrechnung oder Proforma-Rechnung ausfüllen, HS-Code zuordnen.
  3. Zollanmeldung: Bei Warenwert über 1.000 EUR elektronische Ausfuhranmeldung über ATLAS erstellen.
  4. Paket aufgeben: Übergabe an Kurierdienst mit allen Dokumenten – entweder innen oder außen am Paket befestigt.
  5. Zollabfertigung DE: Deutsches Zollamt prüft Exportdokumente und gibt die Sendung frei.
  6. Zollabfertigung CH: Schweizer Zoll prüft Importdokumente, erhebt ggf. Mehrwertsteuer (7,7 %) und Zollgebühren.
  7. Zustellung: Nach Zollfreigabe erfolgt die Zustellung an die Schweizer Adresse.

4. Kosten und Laufzeiten: Was kostet der Schweiz-Versand?

Die Kosten setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen – die meisten Versender unterschätzen den Gesamtaufwand:

  • Versandkosten: Je nach Gewicht, Maßen und Dienstleister. Express-Kurierdienste sind teurer als Paketdienste, aber deutlich schneller und zuverlässiger bei zeitkritischen B2B-Sendungen.
  • Schweizer Mehrwertsteuer (MIVA): 7,7 % auf Warenwert + Versandkosten – wird vom Empfänger bezahlt.
  • Zollgebühren: Bei bestimmten Warenkategorien fallen zusätzliche Einfuhrzölle an (z. B. Lebensmittel, Textilien).
  • Zollpauschale: Manche Dienstleister erheben eine pauschale Zollabwicklungsgebühr (ca. 10–25 EUR pro Sendung).

Laufzeiten: Mit einem spezialisierten Expressdienst erreichen Pakete die Schweiz in der Regel innerhalb von 1–2 Werktagen. Standardversand dauert 3–5 Werktage, kann aber bei Zollproblemen länger dauern.

5. Kurierdienst vs. Paketdienst: Was ist für Unternehmen besser zum Versenden?

Kurierdienst (z. B. OverNight)Standard-Paketdienst
Persönliche Abholung beim VersenderAbgabe an Paketshop oder Abholung nächsten Tag
Laufzeit: 1–2 WerktageLaufzeit: 3–5 Werktage
Zollabwicklung inklusive möglichZollabwicklung selbst organisieren
Fester Ansprechpartner, SendungsverfolgungAnonymer Prozess, begrenzte Kontrolle
Ideal für zeitkritische B2B-SendungenIdeal für günstige, nicht zeitkritische Pakete

6. Häufige Fehler beim Schweiz-Versand – und wie Sie sie vermeiden

  • Fehlende oder unvollständige Handelsrechnung: Der häufigste Grund für Zollprobleme. Immer 3 Exemplare beilegen.
  • Falscher oder fehlender HS-Code: Jede Warenart hat eine eindeutige Zolltarifnummer – falsche Codes können Zölle und Strafen auslösen.
  • Warenwert zu niedrig angegeben: Vorsätzliche Unterbewertung ist Zollbetrug. Immer den tatsächlichen Handelswert angeben.
  • Proforma-Rechnung bei echten Verkäufen: Eine Proforma-Rechnung ist nur für nicht-kommerzielle Sendungen. Bei echten Verkäufen immer Handelsrechnung verwenden.
  • Ausfuhranmeldung vergessen: Ab 1.000 EUR Warenwert ist die elektronische Ausfuhranmeldung über ATLAS Pflicht.

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FAQ: Pakete in die Schweiz schicken

Wie lange dauert die Zollabfertigung in der Schweiz?

Bei vollständigen und korrekten Dokumenten dauert die Zollabfertigung in der Regel nur wenige Stunden. Fehlende Unterlagen können zu Verzögerungen von mehreren Tagen führen.

Was ist der Unterschied zwischen Handelsrechnung und Proforma-Rechnung?

Eine Handelsrechnung (Commercial Invoice) begleitet echte Kaufsendungen und weist den Verkaufspreis aus. Eine Proforma-Rechnung wird für Sendungen ohne Handelswert verwendet – z. B. Muster, Reparaturgüter oder Schenkungen. Sie enthält einen geschätzten Zollwert, ist aber keine steuerliche Rechnung.

Muss ich eine EORI-Nummer haben?

Für den regelmäßigen gewerblichen Export ist eine EORI-Nummer notwendig. Sie ist kostenlos und wird beim zuständigen Hauptzollamt beantragt. Einzelne Exporte ohne EORI sind möglich, aber nicht empfehlenswert für Unternehmen mit regelmäßigem Schweiz-Versand.

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Kurier übergibt Paket an Empfänger für internationalen B2B-Versand in die Schweiz

KI-Generiertes Bild

Sie möchten als Unternehmen Pakete in die Schweiz versenden – und stoßen auf Begriffe wie Zollanmeldung, EORI-Nummer oder Proforma-Rechnung? Kein Wunder: Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, was den Versand im Vergleich zum EU-Ausland deutlich komplexer macht. Wer das nicht weiß, riskiert Pakete, die wochenlang im Zoll feststecken – oder teure Nacherhebungen.

In diesem Leitfaden erklären wir Ihnen Schritt für Schritt, was Sie beim gewerblichen Paketversand in die Schweiz beachten müssen: von den notwendigen Dokumenten über die Kosten bis hin zu den Laufzeiten – und warum ein spezialisierter Express-Kurierdienst oft die bessere Wahl ist als der klassische Paketdienst.